Sportpsychologie

Empirische Wissenschaft, die versucht, Verhalten und Erleben im Rahmen sportlicher Aktivitäten zu erfassen, zu erklären, vorherzusagen und mit Hilfe spezieller Methoden (Strategien) zu beeinflussen.

Die Sportpsychologie ist eine angewandte Disziplin der Psychologie und zugleich ein Teilgebiet der Sportwissenschaft. Gegenstand im engeren Sinne ist die Regulation der sportlichen Tätigkeit, die internen Abbilder (Inhalte, Kenntnisse), die psychischen Prozesse (Funktionen), die aktuellen Zustände (Aktivierungszustand) und die psychischen Eigenschaften (Leistungs- und Verhaltenseigenschaften) des Sporttreibenden in Verbindung mit den konkreten Anforderungen des Trainings in den unterschiedlichen Bereichen des Sports. Im weiteren Sinne gehören dazu auch die Untersuchung der Umfeldbedingungen sportlicher Aktivitäten sowie deren psychologische Gestaltung (Optimierung). Obwohl sich bereits Ende des 19. Jh. erste Arbeiten und Untersuchungen zu psychologischen Aspekten bei der Ausführung sportlicher Bewegungen finden lassen (FITZ, 1895; SCHULTZE, 1897), steht die Sportpsychologie als Forschungs- und vor allem als Praxisfeld noch am Anfang ihrer Entwicklung. Als Lehr- und Forschungsgebiet etablierte sie sich in den meisten Ländern erst in den 60er Jahren, was auch in der Gründung der ISSP (International Society of Sport Psychology – Weltorganisation der Sportpsychologen) im Jahre 1965 und der FEPSAC (Federation Europeenne de Psychologie des Sports et des Activites Corporelles – Europäische Gesellschaft für Sportpsychologie) im Jahre 1968 zum Ausdruck kommt. Es entstanden sportpsychologische Zentren bzw. Schulen, was auch zu entsprechenden Arbeitsergebnissen und Publikationen führte.

In den einzelnen Bereichen des Sports (Freizeit- und Breitensport, Schulsport, Rehabilitations- und Behindertensport, Leistungssport) hat die Sportpsychologie sowohl gemeinsame als auch spezifische Aufgaben zu lösen. Wesentliche, übergreifende Aufgaben sind u. a.

  • Erarbeitung psychologischer Anforderungsinventare/-profile sportlicher Aktivitäten (Sportarten, Übungen) als Grundlage für eine effektive Trainingsgestaltung
  • Untersuchung und Optimierung psychologischer Voraussetzungen für eine effektive Gestaltung der Lehr- und Lernprozesse im Sport
  • Analyse der Wechselbeziehungen zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren im Rahmen sportlicher Aktivitäten
  • Untersuchungen zur Motivation der Sporttreibenden in den verschiedenen Bereichen des Sports
  • Untersuchungen von Gesetzmäßigkeiteil der Veränderung und Entwicklung psychischer Komponenten der Verhaltensregulation
  • Analyse der aktuell-psychischen Verfassung der Sporttreibenden (Feststellung von Belastungswirkungen, Erfassung von Veränderungen des aktuellen Zustandes) als Grundlage für eine optimale Gestaltung des Trainings oder der Therapie
  • Analyse von sozialen Beziehungen (Sportler- Sportler, Trainer/Sportlehrer – Sportler/Schüler) und deren gezielte Beeinflussung.

Die Hauptaufgaben der Sportpsychologie im Bereich des Leistungssports konzentrieren sich auf folgende Probleme: Ausgangspunkt ist die Ermittlung eines Inventars leistungsbestimmender psychischer Komponenten der jeweiligen sportlichen Disziplin (einschließlich empirischer Belege). Dieses bildet die Voraussetzung für

  • die Erarbeitung und Durchführung eines Programms zur Überprüfung psychischer Regulationskomponenten im Rahmen einer komplexen Eignungsdiagnostik
  • die Erarbeitung und Durchführung von psychologischen Trainingsprogrammen zur beschleunigten Herausbildung psychischer Regulationskomponenten
  • die Erarbeitung und den Einsatz von Methoden zur Erfassung psychischer Komponenten im Trainingsprozeß und zur Indikation psychischer Belastungswirkungen
  • die Optimierung zustandsregulierender Prozesse durch spezielle Aktivierungsprogramme bzw. psychoregulative Verfahren. Im Freizeit- und Breitensport bilden sportpsychologische Analysen und Untersuchungen die Voraussetzung,
  • für jeden Sporttreibenden geeignete sportliche Aktivitäten zu finden, um dauerhafte Lebensgewohnheiten auszuprägen
  • die Wirkung des Freizeit- und Breitensports auf das Wohlbefinden, die beschleunigte Wiederherstellung oder auch auf die Stimmung zu bestimmen
  • die Aktivitäten so zu gestalten, daß Interessenunterschiede ausreichend berücksichtigt, Niveauunterschiede verringert werden und das Gruppenklima stabilisiert wird
  • den persönlichkeitsbildenden und gesundheitserhaltenden Wert regelmäßigen Sporttreibens zu verdeutlichen.

Im Schulsport und besonders auch im Rehabilitations- und Behindertensport ergeben sich Aufgaben und Wirkungsweise der Sportpsychologie aus den oben gekennzeichneten allgemeinen Problemen in Anwendung auf die spezifischen Bedingungen und Anliegen dieser Bereiche. Die Erforschung sportpsychologischer Gesetzmäßigkeiten vollzieht sich in interdisziplinärer Gemeinschaftsarbeit, vor allem mit Sportphysiologie, Sportmedizin sowie Bewegungs- und Trainingswissenschaft (Sportmotorik, Sportmethodik). Die Sportpsychologie hat die Aufgabe, Sportler, Trainer, Sportlehrer und -therapeuten zu befähigen, Erkenntnisse und Methoden der Psychologie für ein effektives Üben und Trainieren in den unterschiedlichen Bereichen zu nutzen. [24]

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