Gestaltwandel

Typische Veränderungen der Körperkonstitution im Übergang vom Vorschulalter zum Schulkindalter (erster Gestaltwandel) sowie im Übergang vom Schulkind- zum Jugendalter (zweiter Gestaltwandel).

Der erste Gestaltwandel vollzieht sich etwa zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr. Eines der auffälligsten Merkmale, die mit dem ersten Gestaltwandel verbunden sind, ist der Zahnwechsel. Für die motorische Entwicklung sowie die sportliche Betätigung haben darüber hinaus als bedeutsame Indikatoren zu gelten: Die typische Veränderung der Körperbauproportionen durch ein vorherrschendes Längenwachstum besonders der Extremitäten; die damit verbundene Tieferverlagerung des Körperschwerpunktes; die zumeist deutliche Verminderung des kleinkindtypischen Unterhautfettgewebes und die erhöhte Anteiligkeit der aktiven Körpersubstanz (vornehmlich der Muskulatur) sowie die günstiger werdenden Kraft-Last- und Kraft-Hebel-Verhältnisse. Die genannten Entwicklungsmerkmale prädestinieren die Kinder nach dem ersten Gestaltwandel im Verein mit zunehmender Bewegungserfahrung und intellektueller Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt durch den Schulbesuch und den Schulsport zu bemerkenswert schnellen Fortschritten in der motorischen Lern- und Leistungsfähigkeit.

Der zweite Gestaltwandel vollzieht sich während der Pubeszenz und demzufolge durchschnittlich etwa zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr bei Mädchen bzw. dem 13. und 15. Lebensjahr bei Jungen. Im Zusammenhang mit der sportlichen Betätigung und der motorischen Entwicklung sind besonders folgende Merkmale des zweiten Gestaltwandels wesentlich: Das schubartig verstärkte Wachstum der Körperhöhe; das dabei vorherrschende Extremitätenwachstum und die damit verbundene nochmalige Veränderung der Körperbauproportionen; bei Mädchen die Verbreiterung des Beckens, die häufige Verstärkung des Unterhautfettgewebes („Pubeszentenspeck“) sowie die Verschlechterung der Last-Kraft-Verhältnisse. Der zweite Gestaltwandel kann bei ausgeprägtem Verlauf vorübergehend zu einer körperbaulichen Disharmonie führen (relativ kleiner Rumpf, lange Extremitäten), ist jedoch bei einem Teil der Jugendlichen nur geringfügig oder nicht eindeutig nachweisbar. Die Auswirkungen des zweiten Gestaltwandels auf die sportliche Leistungsentwicklung sind gemäß den Wachstumstendenzen (ausgeprägt, sprunghaft, rasch bzw. relativ gering, stetig und langsam) sowie der leistungsbegünstigenden körperbaulichen Voraussetzungen für die verschiedenen Sportarten bzw. Disziplinen entsprechend unterschiedlich. Ein starkes Körperhöhen- und Extremitätenwachstum ist längerfristig günstig und gegebenenfalls notwendig in solchen Sportarten bzw. Disziplinen, bei denen derartige körperbauliche Voraussetzungen ein wesentlicher Leistungsfaktor sind (z.B. Volleyball, Basketball u.a.). Im Unterschied dazu erweist sich ein nur wenig ausgeprägter, langsam und stetig verlaufender zweiter Gestaltwandel besonders in den akrobatischen Sportarten als vorteilhaft und in bestimmtem Maße als notwendig (vor allem Gerätturnen und Wasserspringen). [74]

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