Olympische Bewegung

Vielfältiger, z. T. konträr interpretierter Oberbegriff für alle im Zusammenhang mit der Organisation und Durchführung der olympischen Spiele verbundenen Organisationen und Aktivitäten, pädagogischen, moralischen und humanitären Auffassungen.

Die Olympische Bewegung wurde 1894 durch P. de COUBERTIN begründet und umfaßt (nach LENK) folgende Ziele und Werte (auch olympische Idee oder olympischer Gedanke bzw. Olympismus genannt): – kultisch-religiöse Feier („religio athletae“) – künstlerische und geistige Gestaltung – Elitenidee und Chancengleichheit – Höchstleistung und Wettkampf („citius, altius, fortius“) -Sportlichkeit (Fair play und Ritterlichkeit) – regelmäßige Durchführung der Spiele, Tradition und Waffenruhe während der Spiele -Internationalität und Nationalismus (Völkerverständigung und kulturelle Vielfalt) sowie Einbeziehung aller (modernen) Sportarten („all games, all nations“) – Amateurgedanke (Amateurismus bzw. Zulassungsregel) – olympische Unabhängigkeit – antikes Vorbild und neuzeitliche Form. Die Vieldeutigkeit dieser Ziele und Werte führte einerseits zu nahezu permanenten Diskussionen, zu unterschiedlichen Interpretationen und Kontroversen (insbesondere in bezug auf die kultische Bedeutung und die Unabhängigkeit von politischen, ökonomischen, sozialen und ideologischen Einflüssen sowie über den Amateurgedanken) und damit zu Krisen innerhalb der Olympischen Bewegung, andererseits trug das aber auch zu ihrem Überleben bei. Festlegungen in den olympischen Regeln vermochten die Diskussion teilweise abzuschwächen bzw. zu kanalisieren, jedoch nicht zu verhindern, zumal bisher eine klare Definition der Olympischen Bewegung in den olympischen Regeln aussteht. Träger der Olympischen Bewegung sind die internationalen Sportförderationen, die Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und das 1894 gegründete Internationale Olympische Komitee (IOK, frz.: Comite International Olympique [CIO], engl.: International Olympic Committee [IOC]). Oberste Instanz, institutionelles und geistiges Zentrum der Olympioschen Bewegung ist zweifelsohne das IOC. Es räumt den NOK und den internationalen Verbänden sowie Vertretern anderer internationaler Organisationen des Sports im Rahmen von olympischen Kongressen und teilweise in olympischen Kommissionen Mitspracherecht ein, behält sich aber in allen wichtigen Fragen der Olympischen Bewegung das Beschlußrecht vor. Die Beschlüsse werden in den Sessionen (Vollversammlungen) des IOC getroffen (betrifft insbesondere die olympischen Regeln, die Anerkennung der NOK, die Vergabe der Olympischen Spiele und deren Programm, letzteres in Absprache mit den internationalen Verbänden). Das IOC, das seit 1981 als „Führer des Weltsports“ gilt, betrachtet sich als politisch, rassisch und religiös neutral und hat keine feste MitgliederzahL Es verfügt gegenwärtig über 94 Mitglieder bei 172 anerkannten NOK (März 1992). Das IOC ist eine sich selbst ergänzende Körperschaft (selfrecruiting body) und wählt seine Mitglieder nicht als Vertreter eines Landes, sondern als Vertreter des IOC im jeweiligen Land, um seine Unabhängigkeit zu stärken. Neben dem olympischen Kongreß ist die Internationale Olympische Akademie (IOA) ein weiteres Forum zur Diskussion von Problemen der Olympischen Bewegung, wie z.B. zu deren geistigen und moralischen Grundlagen. Die IOA wurde 1961 in Olympia gegründet, nachdem das IOC bereits seit 1949 einen entsprechenden Beschluß gefaßt hatte. Maßgeblichen Anteil daran hatten J. KETSEAS und C. DIEM. Ihre Vorgeschichte geht bis 1927 zurück, und das 1937 in Berlin von C. DIEM geschaffene Olympische Institut gilt als ihr Vorläufer. Die IOA steht unter Schirmherrschaft des IOC. [141]

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