Schätzskala

Quantifizierungsinstrument zur Objektivierung des Ausprägungsgrades qualitativer Leistungsmerkmale personaler Eigenschaften, aktueller Zustandslagen und verschiedener Dimensionen der Gerichtetheit der Persönlichkeit.

Im Unterschied zur Messung im engeren Sinne auf der Grundlage eines eindeutig definierten Maßsystems (z.B. physikalische Maßeinheiten) sind bei der Schätzskala sowohl die Absolut- oder Basispunkte als auch die einzelnen Stufen ihrer Staffelung einschließlich ihres Abstandskontinuums ungenügend bestimmt. Schätzskalen dienen in vielen Fragebögen und Papier- und Bleistifttests zur Erfassung individueller Besonderheiten und zur Ermittlung statistischer Merkmalsverteilungen. Die gröbste Staffelung ist die Wahl zwischen Ja- und Nein-Antworten (stimmt – stimmt nicht). Schätzskalen werden mit und ohne angenommener Mittelposition eingesetzt und unterschiedlich stark differenziert, wobei die Vergrößerung der Anzahl der Skalenplätze keine Verfeinerung des Meßinstrumentes bewirken muß. Die meisten Schätzskalen sind drei-, vier-, fünf- oder siebenstufig konstruiert. Die zu erfassenden Merkmale können mit Häufigkeits- oder Quantitätskriterien (regelmäßig – häufig – ab und zu – selten – nie) und Intensitäts- oder Qualitätsabstufungen (sehr gut- gut- normal- schlecht- sehr schlecht) differenziert werden. Das Meßwertniveau der Schätzskala wird durch verbale oder numerische Stufenkennzeichnung praktisch nicht beeinflußt.

Schätzskalen lassen eigentlich nur absolute und relative Häufigkeitsbildungen und die dafür entwickelten prüf- und korrelationsstatistischen Verfahren zu, obwohl in der europäischen Forschungspraxis immer wieder Verstöße dagegen auftreten.

Je größer die Anzahl der Skalenwerte, um so größer kann das zu Erfassende differenziert werden. das erfordert zugleich einen höheren Aufwand an Schulung der Schätzer (Beobachter, Preisrichter, Kampfrichter). Diese Schulung muß immer auf der Grundlage von Kriterien erfolgen. Nicht selten ist eine 3er-Skala zweckmäßig, die lediglich nach positiv, mittelmäßig oder negativ differenziert.

Im Sport werden Schätzskalen zur Erfassung und Ordnung empirischer Ergebnisse eingesetzt, wenn die Ergebnisse nicht durch Messungen objektiviert werden können (z.B. bei der Erfassung von Spielhandlungen, von Leistungen im Gerätturnen, im Eiskunstlaufen u.a.). In der sportpsychologischen Forschung sind Schätzskalen zur Beurteilung verschiedener Persönlichkeitseigenschaften, einzelner Dimensionen des aktuellen Zustandes und Belastungserlebens sowie zur subjektiven Bewertung ausgewählter Trainings- und Wettkampfbedingungen entwickelt und publiziert worden. [44; 68]

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