Volition

Willentliche Regulation von Handlungen (Willenshandlung); sie bezieht sich auf die Entscheidung für ein Handlungsziel bzw. dessen Aktualisierung für das notwendige Handlungsprogramm und den Handlungsbeginn (präaktionale Phase) sowie auf das bewußte und zielgerichtete Eingreifen in den Handlungsverlauf zur Verwirklichung des Handlungszieles ( aktionale Phase).

Motive, Interessen, Bedürfnisse und individuell entwickelte Zielhierarchien sowie äußere und soziale Bedingungen sind Grundlage für die Zielbildung bzw. Zielaktualisierung. Volition bzw. volitive Regulation beginnt jedoch erst mit der Aufnahme der Handlung. Der Schwerpunkt der volitiven Regulation kann einerseits stärker auf der präaktionalen Phase, d.h. auf dem Handlungsbeginn liegen; das würde zum Beispiel zutreffen, wenn man sich immer wieder zum regelmäßigen Sporttreiben überwinden muß. Andererseits wird bei den meisten Sportlern das regelmäßige Training jedoch zur Gewohnheit, und damit rückt die aktionale Phase, d. h. der Handlungsverlauf in den Vordergrund. Das trifft z.B. zu, wenn eine Trainingseinheit trotz Ermüdung, Mißerfolg oder außersportlichen Problemen mit hoher Konzentration und in guter Qualität absolviert werden soll. Volition bedeutet in letzterem Falle, daß die Persönlichkeit bewußt und zielgerichtet in den Handlungsablauf eingreifen kann. „Eingreifen“ beginnt mit dem Wahrnehmen und Bewerten des subjektiven Aufwandes (entsprechend vorausgegangener Aufwandskalkulation) und wird durch Koordinieren/Optimieren (z.B. willentliche Anstrengung und muskuläre Spannung), Umstrukturieren ( z. B. Veränderung der Handlungsstrategie, Einflußnahme auf motorische und physiologische Vorgänge) und Konzentrieren (z.B.Veränderung von Aufmerksamkeitsrichtung und -intensität) möglich. Bewußtes und zielgerichtetes Eingreifen muß zu Veränderungen in psychophysischen, funktionellen und motorischen Vorgängen führen. Der subjektive Aufwand wird dabei erhöht und/oder optimiert. Das Erleben volitiver Anforderungen ist in der Regel mit dem Bewußtwerden sonst automatisch ablaufender Handlungsanteile verbunden, z.B., wenn der Läufer spürt, daß seine Beine „schwer“ werden, er muskulär verspannt („fest wird“) oder die Schrittfrequenz nicht mehr gehalten werden kann. Volitive Regulation („Eingreifen“) ist kontrolliertes Handeln, soll aber im Ergebnis möglichst wieder zu automatisiertem Handeln führen. Eine gelungene Regulation motiviert und stimuliert im weiteren Leistungsverlauf; sie drückt sich besonders im Bewegungsgefühl aus. Auf dieser Basis bilden sich relativ stabile, abrufbare, individuelle Techniken der Selbstmotivierung (z.B. Selbstbefehle) sowie volitive Strategien (z.B. muskuläre Spannung regulieren, Atem- und/oder Bewegungsfrequenz ändern, Konzentrationspunkt finden) und Aktivierungsmuster (weitestgehend automatisierte psychophysiologische Vorgänge) (Willensschulung). Volition ist als komplexer Regulationsprozeß zu verstehen, der sowohl Aspekte der Antriebs- als auch der Ausführungsregulation beinhaltet. Der oft idealisierte und wenig konkrete Willensbegriff wird hier unter handlungsregulatorischem Aspekt gebraucht – nicht der „Willenswunsch“, sondern die „Willenstat“ ist entscheidend. [40]

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