Bewegungswahrnehmung

Sinnlich-rationale Form der Widerspiegelung (Informationsaufnahme, Signalerfassung) von Bewegungen.

Bewegungswahrnehmung im engeren Sinne – und im Sport von besondere Bedeutung – ist die Wahrnehmung des eigenen Bewegungsablaufes. Sie basiert auf der Tätigkeit kinästhetischer, taktiler, optischer und akustischer Analysatoren sowie des Gleichgewichtsempfindens und erfordert eine gezielte konzentrative Hinwendung zum eigenen Körper. Bewegungswahrnehmung im engeren Sinne kann sich sowohl auf die Bewegungsausführung an sich (z. B. turnerische Übungen, Laufen, Schwimmen als ausführungsorientierte Bewegungen) als auch auf die Wahrnehmung des Bewegungsablaufes im Verhältnis zu einem außerhalb liegenden Ziel bzw. einer außerhalb ablaufenden Bewegung (z. B. Torwurf, Schießen, Auseinandersetzung mit dem Gegner als zielorientierte Bewegungen) beziehen. Obwohl die B. stets einen komplexen Widerspiegelungsprozeß darstellt, erlangen die vor allem auf propriarezeptiven Reizen beruhenden kinästhetischen Empfindungen einen besonderen Stellenwert. Propriarezeptive Reize entstehen durch Muskelaktivität, die zu Veränderungen in den Muskelspindeln, Sehnenorganen, Gelenkrezeptoren und Hautrezeptoren führen (Stellungs-, Bewegungs- und Kraftsinn). Man geht davon aus, daß propriarezeptive Reize prinzipiell bewußt gemacht werden können. Sie können durch besondere Konzentration auf die spezielle Muskelaktivität wahrgenommen und über sprachliche (bildhafte) Symbole verbalisiert werden (BISHOFF, 1989). Die gezielte Erweiterung und Vertiefung der Bewegungswahrnehmung in Verbindung mit bewußt hervorgerufener Muskelaktivität ist eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung der Bewegungsregulation (Wahrnehmungstraining). Dafür können vielfältige spezifische und unspezifische Übungsprogramme genutzt werden wie z. B. LaufABC, Imitationsübungen, Yoga, progressive Muskelrelaxation u. ä.. Methodisch wichtig ist dabei, daß das Wahrgenommene reflektiert und verbalisiert wird. Die Genauigkeit, Tiefe und Komplexität der Wahrnehmungsfähigkeit wird des weiteren durch Sensibilisierungs- und Differenzierungsübungen sowie durch Vermittlung von Wahrnehmungsschwerpunkten (Ausführungsorientierungen, Konzentrationspunkte) trainiert. Enge Beziehungen bestehen zur Entwicklung von  Bewegungsvorstellungen. [40]

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