Kasuistik

Forschungsmethode, Lehre und Theorie von der Fallstudie.

Im Forschungsprozeß ist es oft geboten, diesen oder jenen Einzelfall (Einzelbeispiel) zu analysieren, um aus diesem auf Verallgemeinerungen zu schließen. Die Fallstudie stellt an den Untersucher insofern hohe Ansprüche, weil er die zu untersuchende Person sowohl in ihrer Ganzheitlichkeit als auch in ihren typischen Einzelheiten erforschen muß. Dabei kommt den typischen Einzelheiten im Zusammenhang mit der (aufgrund der Hypothesen vorgegebenen) zu beantwortenden wissenschaftlichen Fragestellung der Vorrang zu. Die wissenschaftliche Bewertung der typischen Einzelheiten verlangt von dem Untersucher nicht nur solide und tiefgehende Kenntnis des wissenschaftlich zu beantwortenden Problems, sondern zugleich hochentwickelte Kreativität, um die manchmal ungewöhnlichen (besonderen) Befunde bewerten und interpretieren zu können. Im Leistungssport gewinnt die Kasuistik zunehmend an Stellenwert, weil das sportliche Training ein individueller Prozeß der Leistungssteigerung ist, der Leistungssportler selbst als eine hochentwickelte individuelle Persönlichkeit wirkt. Dadurch kann man Leistungssportuntersuchungen kaum mit den klassischen Methoden der Forschung (z.B. Experiment mit Vergleich der Ergebnisse von Versuchs- und Kontrollgruppen) durchführen. Mittels der Kasuistik rückt man vielmehr die typischen Einzelheiten der individuellen Ausprägung dieses oder jenes Leistungsfaktors eines Sportlers in den zu bewertenden Zusammenhang und kommt zu prinzipiellen Folgerungen. [68]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.