Olympische Spiele antike

Im klassischen Altertum in vierjährigem Zyklus stattfindende öffentliche Wettkämpfe in Olympia, einer antiken Kultstätte zu Ehren des Zeus Olympos im Nordwesten der Peloponnes (Griechenland).

Die antiken Olympischen Spiele waren die größten und bedeutendsten panhellenischen Wettkämpfe. Sie gehörten zu den sogenannten Kranzspielen und sind für 776 v.u.Z.- 393 u.Z. überliefert. Damit ist jedoch kein historisch fester Boden betreten, und mit großer Wahrscheinlichkeit reichen ihre Anfänge weiter zurück. Über den Ursprung der antiken Olympischen Spiele gibt es aufgrund fehlender Quellen bzw. der oft verwirrenden oder teilweise widersprechenden Aussagen alter Überlieferungen eine Vielzahl von Theorien und Anschauungen, er bleibt jedoch nach wie vor unklar. Gesichert ist, daß sich in Olympia 608 bereits in vorgriechischer Zeit eine alte Kult- und Orakelstätte befand, an der verschiedene Kulthandlungen wie Heroenverehrungen, Fruchtbarkeitsriten, Leichenspiele oder Zeremonien im Zusammenhang mit der Obsternte sowie zur Ehrung verschiedener Gottheiten stattfanden. Seit dem 12. Jh. v.u.Z. ist eine Zeusehrung überliefert. Die antiken Olympischen Spiele fristeten vorerst ein lokales Dasein. Seit dem 6. Jh. v.u.Z. erwiesen sie sich von gesamtgriechischer Anziehungskraft und Ausstrahlung. Wettkämpfer aus ganz Griechenland einschließlich der z.T. weit entfernten Kolonien rangen um den Sieg, in späterer Zeit kamen Makedonier und Römer hinzu. Auch die Anzahl der Wettbewerbe und damit die Dauer der antiken Olympischen Spiele wurden ausgedehnt. Sie waren eng verbunden mit kultisch motivierten Opfergaben und Festprozessionen. Während die antiken Olympischen Spiele 776 v.u.Z. einen Tag in Anspruch nahmen und nur einen einfachen Stadionlauf(192,27 m) und eine Kulthandlung beinhalteten, dehnte sich das Wettkampfprogramm in der klassischen Zeit auf 5-6 Tage aus. Neue Wettbewerbe wie verschiedene Laufdisziplinen, Pentathlon, kampfsportliche Disziplinen (Ringen, Faustkampf, Pankration) sowie mehrere Wagenrennen und Reitwettbewerbe kamen hinzu. Ab 632 v.u.Z. wurden Wettbewerbe der Jugendlichen durchgeführt. Teilnahmeberechtigt an den antiken Olympischen Spiele waren allerdings nur freie Bürger männlicher Abstammung, die die bürgerlichen Ehrenrechte besaßen sowie eine bestimmte Trainingsdauer und einen entsprechenden Leistungsstand nachweisen konnten. Neben den sportlichen Agonen (Wettkämpfen) und kultischen Handlungen gehörten zu den antiken Olympischen ebenso Wettstreite der Herolde und Trompeter sowie Vorträge von Politikern, Künstlern und Gelehrten. Olympia war gleichfalls ein Ort politischer Vertragsabschlüsse und reger Handlungsaktivitäten. All das festigte die kulturelle Einheit der Griechen, zuweilen auch ihr politisches Zusammengehörigkeitsgefühl wie vor allem im Falle äußerer Bedrohung von Hellas. Die antiken Olympischen Spiele trugen zu einem spezifisch griechischen Kultur- und Nationalbewußtsein, insbesondere im Zusammenhang mit den Perserkriegen bei, sie waren aber auch Schauplatz rivalisierender Herrscher und ihres politischen Renommiergehabes. Das Wettkampfprogramm der antiken Olympischen Spiele galt als Vorbild für die anderen panhellenischen Spiele (wiewohl musische Wettbewerbe wie in Delphi fehlten) und eine Vielzahl weiterer Agone. Die Bedeutung und die Ausstrahlung der antiken Olympischen Spiele kam auch in der prominenten Teilnehmer- und Gästeliste zum Ausdruck, die bis hin zu römischen Kaisem reicht. Sie manifestiert sich darüber hinaus in der Tatsache, daß der Zeitraum zwischen zwei antiken Olympischen Spielen (Olympiade) zum griechischen Zeitmaß wurde. Für ihre Durchführung galt ein heiliger Friede, die Ekecheiria, die überdies die ungehinderte An- und Abreise von Athleten und Zuschauern ermöglichte. Olympiasieger zu sein bedeutete hohe gesellschaftliche Anerkennung und brachte eine Reihe auch finanzieller Vergütungen und Ehrungen mit sich, die z.T. einer göttlichen Verehrung glichen. Bis zu 50 000 Zuschauer verfolgten die olympischen Wettbewerbe. Sie zeigten dabei auch eine Reihe von Verhaltensweisen, die oft nur dem modernen Sport zugeschrieben werden: Sympathie und begeistertes Mitgehen einerseits, andererseits aber auch Geringschätzung und Verspottung von Athleten bis hin zu Korruption, Sensationsgier und Zuschauerausschreitungen, Nationalismus und Chauvinismus. Seit dem 4. Jh. v.u.Z. traten in Olympia zunehmend Berufsathleten auf. Mit der Ausweitung des Römischen Reiches gerieten die Spiele zunächst in den Strudel allgemeiner wirtschaftlicher Rezession und politischer Auseinandersetzungen, dennoch sicherten philhellenische Bestrebungen römischer Kaiser und die lange Friedensperiode der römischen Kaiserzeit ihre Existenz. Die antiken Olympischen Spiele erlebten im 2.Jh. u.Z. einen letzten glanzvollen Höhepunkt, bevor ihre Durchführung im nachfolgenden Jahrhundert offensichtlich zunehmend schwieriger wurde. Jedenfalls gibt es nur noch spärliche Informationen über die olympischen Spiele in dieser Zeit. Für 393 wird die letzte Austragung angenommen. Für Untergang und Ende der Spiele gilt aber sinngemäß wie für Ursprung und Beginn: sie lassen sich nicht in allgemein verbindlichen Aussagen und monokausalen Erklärungen festmachen. Verschiedene, noch weiter zu klärende Ursachen trugen schließlich zum fast völligen Vergessen selbst des Ortes Olympia bei. Erst im 15. Jh. wurden die antiken Olympischen Spiele wieder erwähnt. Die Erinnerung wurde fortan durch verschiedene Personen wachgehalten, begleitet von ersten Ausgrabungsversuchen des antiken Geländes im 18. Jh. Daneben gab es eine Reihe von Bestrebungen zur Durchführung von Olympischen Spielen, doch es dauerte noch bis Ende des 19. Jh., bis die modernen Olympischen Spiele begründet wurden. [14]

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