Spielsystematik

Nach Wesensmerkmalen und bestimmten Grundsätzen ordnende Klassifikation der Spiele.

Außer dem praktischen Bedürfnis nach Übersicht führt eine Spielsystematik in die zahlreichen Erscheinungsformen menschlichen Spiels ein, erleichtert eine zweckmäßige Gruppenbildung der Spiele, eine vergleichende und wertende Betrachtung und erweist sich auch als ein klärender Ausgangspunkt terminologischer Art. Während die Spielarten im Laufe der individuellen Entwicklung der Menschen in der Fachliteratur (ausgehend von BÜHLER, 1921) nach Entwicklungsstufen eingeteilt werden und die sozialen Regelspiele als Wettstreit zwischen Individuen münden, erweist sich im Sport die Aufgliederung der Spiele nach der Art der Spieltätigkeit als zweckmäßig. Damit wird gleichzeitig der grundlegende Spielgedanke der einzelnen Spielgruppen verdeutlicht. Das gilt sowohl für die Kleinen Spiele als auch für die Sportspiele. Eine erste Gruppe der Sportspiele bilden die Tor-, Mal- und Korbspiele, die sämtlich Mannschaftscharakter tragen und bei denen es darum geht, einen umkämpften Ball in ein Ziel zu befördern. Sie werden untergliedert in Spiele mit unmittelbarer Auseinandersetzung (unter Körperbehinderung) mit dem Gegner und in solche ohne Körperbehinderung. Die zweite Gruppe umfaßt die Rückschlagspiele, die durch Netz oder Leine auf Distanz ausgerichtet sind und bei denen der Spielgedanke darin besteht, den Ball so in das Spielfeld des Gegners zu spielen, daß dieser ihn nicht erreicht oder beim Rückschlag einen Fehler begeht. Sie werden in Einzel- bzw. Doppelspiele und in Mannschaftsspiele aufgeteilt. Eine dritte Gruppe besteht aus den meist ausländischen Schlagball- oder Abwurfspielen, bei denen das Ziel darin besteht, einen möglichst weit fortgeschlagenen Ball zu fangen, den Gegner vor Erreichen des Laufmals abzuwerfen bzw. vor ihm das Laufmal mit dem Ball zu berühren. Es sind durchweg Mannschaftsspiele. Die vierte Gruppe bilden die Ziel- und Treibspiele (Kugel- oder Ballspiele), in denen durch geschickte Stöße oder Schläge kleine Ziele zu treffen sind.

Nachfolgend die international bekanntesten Sport- und Nationalspiele:

(1) Tor-, Mal- und Korbspiele

a) mit Körperbehinderung
(American) Football (USA)
Eishockey Fußball Handball Hurling (Irland)
Lacrosse (USA, Kanada)
Rugby Wasserball

b) ohne Körperbehinderung
Bandy (Rußland, Skandinavien)
Basketball
Korbball Pferdepolo (Nord- und Südamerika)
Radball Rollhockey

(2) Rückschlagspiele

a) Einzel- und Doppelspiele
Badminton/Federball Indiaca (Mittel- und Südamerika)
Pelota (Pyrenäen)
Squash (Großbritannien, USA)
Tennis Tischtennis

b) Mannschaftsspiele
Faustball
Volleyball

(3) Schlagball- oder Abwurfspiele (Mannschaftsspiele)
Baseball/Softball (USA, Kuba, Japan)
Cricket (Großbritannien, Indien, Australien)
Oina (Rumänien)
Palkovana (Tschechei, Slowakei)
Pesäpallo (Finnland)
Schlagball (deutschsprachiger Raum)

(4) Ziel- und Treibspiele (Einzelspiele)
Billard, Gorodki (GUS)
Boccia (Italien, Schweiz)
Kegeln, Eisstockschießen, Krocket (Frankreich)
Golf (Großbritannien)
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